diabetes-diving-destinations

Tag X – der Tag an dem der Diabetes kam

| Keine Kommentare

Soviel ich auch aus meiner Kindheit vergessen habe, das weiß ich noch genau…

Es war in den Sommerferien 1986. Nach den Ferien stand ein Schulwechsel zur Orientierungsstufe auf eine neuen Schule an. Wie immer hatte ich ein paar Tage bei meinen Großeltern in Wilhelmshaven verbracht und das war in diesem Fall nicht nur sehr schön sondern auch ein Glücksfall. Da mein Onkel auch seit seiner Jugend Typ 1 Diabetiker ist, konnte meine Oma meinen „Zustand“ gleich einordnen und der Zucker wurde verhältnismäßig früh entdeckt. Ich war schlapp und hab eigentlich nur am Wasserhahn gehangen und literweise kaltes Leitungswasser getrunken.

Wir sind zum Geburtstag meines Onkels wieder nach Hause gefahren und dieser hat mir einen Urinteststreifen gegeben. Dann war alles klar. Meine Mutter ist am nächsten Morgen mit mir zum Arzt gefahren und der hat dann die Vermutung bestätigt. Meine Mutter hat geweint und ich habe zu ihr gesagt, dass sie nicht traurig sein soll und alles gut wird. Wir sind erst zu einem Krankenhaus in der Nähe gefahren, die aber weder eine Kinder- noch eine Diabetesstation hatten und mich dann weitergeschickt haben. In der Prof.-Hess-Kinderklinik wurde ich dann aufgenommen. Damals gab es auch dort noch keine Station für Diabetiker und so wurde ich auf die Station 5 (Kinderonkologie) aufgenommen.

Die erste Spritze hat mir dann eine große und kräftige Schwester in mein Hinterteil gegeben und anschließend hab ich dann gleich verkündet, dass ich mir die nächste selbst geben werde. Ich hatte bei meinem Onkel ja schon gesehen, wie man Spritzen aufzieht und sie sich setzt.

Der Arzt war super damals und hat meine Eltern und mich gut geschult. Nach zwei Wochen durfte ich dann wieder nach Hause.

Schulungsbuch

Pens und Messgeräte (die zumindest nicht für die Allgemeinheit) gab es noch nicht. Der Zucker wurde über Urintests und einmal am Tag übers Blut kontrolliert. Ich hatte ein Tagebuch mit dazugehörigen Buntstiften, die der Farbskala des Urintests (Diaburtest) entsprachen und die Teststreifen fürs Blut wurden ebenfalls über Farben abgelesen. Man benötigte eine ordentliche Menge Blut, hat eine Minute gewartet, dann das Blut abgewischt und noch mal eine Minute, gewartet und konnte schließlich den Wert (zwischen X-Y) ablesen. Insulin wurde in Einmalspritzen aufgezogen.

Eingestellt wurde ich auf die konventionelle Insulintherapie (CT), was hieß: zweimal am Tag ein Mischinsulin spritzen und sieben Mahlzeiten über den Tag verteilt zu festen Zeiten und mit festgelegten Mengen. Ich weiß heute noch genau, wie viel BE ich zu welcher Uhrzeit essen durfte/musste. Zucker war absolut tabu.

Jedes Vierteljahr musste ich zur Diabetes-Ambulanz in die Kinderklinik. Heute gibt es dort übrigens eine Station für Kinder und Jugendliche mit Diabetes und der Oberarzt, der mich 1986 in Obhut genommen hatte, ist heute noch Leiter der Diabetes-Ambulanz.

Die Diagnose hab ich damals anscheinend ganz locker hingenommen, die Probleme kamen dann später. Aber mit neun Jahren kann man wohl das Ausmaß von „für immer“ und was sonst so auf einen zukommt noch nicht so richtig erfassen.

dbw

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.